Textilfasern im Überblick: tierisch, pflanzlich & synthetisch
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Textilien begegnen uns jeden Tag – Kleidung, Decken, Stoffe, Garne. Und trotzdem herrscht bei einem Thema erstaunlich viel Verwirrung: Woher kommen eigentlich die Fasern? Was ist wirklich tierisch? Was ist pflanzlich? Und was ist synthetisch – oder zumindest chemisch stark verarbeitet?
In diesem Beitrag räumen wir einmal gründlich auf. Ohne Greenwashing, ohne Marketingbegriffe, sondern sauber nach Ursprung und Verarbeitung sortiert.
🐑 Tierische Fasern
Tierische Fasern stammen direkt von Tieren oder aus tierischen Sekreten. Sie bestehen fast immer aus Proteinfasern (z. B. Keratin oder Fibroin).
Wolle – was ist was?
Der Begriff Wolle wird im Alltag oft sehr unscharf verwendet. Technisch gibt es klare Unterschiede:
-
Schurwolle
Frisch geschorene Wolle lebender Tiere (meist Schaf). Kein Recycling, kein Wiederverwenden alter Fasern. -
Reine Schurwolle
Ausschließlich neue Schurwolle, nicht mit anderen Fasern gemischt. -
Wolle (allgemein)
Kann Schurwolle, Recyclingwolle oder Mischungen enthalten. (Hierbei -
Recyclingwolle / Reißwolle
Aus alten Wolltextilien gewonnen, mechanisch zerkleinert.
Tierhaare (Edelfasern)
Diese Fasern stammen aus Haar oder Unterwolle verschiedener Tiere:
- Schafwolle
- Merinowolle
- Lammwolle
- Kaschmir (Kaschmirziege)
- Mohair (Angoraziege)
- Alpaka
- Lama
- Vikunja
- Guanako
- Yak
- Kamelhaar
- Qiviut (Moschusochse)
- Angora (Kaninchen)
Seide
Seide ist kein Haar, sondern ein tierisches Sekret:
- Maulbeerseide
- Tussah-Seide
- Eri-Seide
- Muga-Seide
- Wilde Seide
Wichtig: Auch sogenannte „Ahimsa-“ oder „Peace-Seide“ ist tierischen Ursprungs.
Sonder- & Nischenfasern
-
Spinnenseide (experimentell, kaum kommerziell)
➡️ Fazit tierisch: Alles, was von Fell, Haaren oder tierischen Sekreten stammt, ist tierisch – unabhängig von Haltung, Verarbeitung oder Marketingnamen.
🌱 Pflanzliche Fasern
Pflanzliche Fasern bestehen überwiegend aus Cellulose und werden mechanisch oder durch einfache Aufschlussverfahren gewonnen.
Samenfasern
- Baumwolle
- Kapok
Bastfasern (Stängelfasern)
- Leinen (Flachs)
- Hanf
- Jute
- Ramie
- Kenaf
- Blattfasern
- Sisal
- Abacá (Manilahanf)
- Ananasfaser (Piña)
- Bananenfaser
Fruchtfasern
-
Kokosfaser (Coir)
➡️ Fazit pflanzlich: Ursprung Pflanze, Faser bleibt strukturell natürlich.
🧪 Synthetische & chemisch hergestellte Fasern
Hier wird es besonders wichtig, sauber zu unterscheiden.
Vollsynthetische Fasern
Diese Fasern werden komplett chemisch hergestellt, meist auf Erdölbasis:
- Polyester (PES)
- Polyamid (Nylon)
- Polyacryl (Acryl)
- Elastan (Spandex, Lycra)
- Polypropylen (PP)
- Polyethylen (PE)
- PVC (Vinyl)
- Modacryl
- Aramid (z. B. Kevlar, Nomex)
➡️ Ursprung: synthetisch, keine natürliche Faserstruktur.
Regenerierte Fasern aus pflanzlichem Ursprung
Diese Fasern beginnen pflanzlich, werden aber chemisch vollständig neu aufgebaut:
- Viskose (Rayon)
- Modal
- Lyocell (z. B. Tencel™)
- Cupro
- Acetat
- Triacetat
Wichtig für die Praxis: Diese Fasern sind nicht naturbelassen, auch wenn der Rohstoff pflanzlich ist.
➡️ Ursprung: Pflanze | Verarbeitung: chemisch | Ergebnis: Chemiefaser
🧠 Zusammenfassung für den Alltag
- Tierisch: Wolle, Tierhaare, Seide – immer Proteinfasern
- Pflanzlich: Baumwolle, Leinen, Hanf & Co. – Cellulosefasern
- Vollsynthetisch: Polyester, Elastan, Acryl
- Regeneriert: Viskose, Modal, Lyocell – pflanzlich, aber chemisch
Wer bewusst einkaufen, verkaufen oder verarbeiten möchte, sollte genau diese Unterschiede kennen – und auch klar benennen.
Denn ehrlich gesagt: Transparenz ist nachhaltiger als jedes Buzzword.